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Neuseeländisches Himmelsphänomen: Meteorit oder Reentry-Teil

Hier bieten wir Ihnen Hilfestellung zur Identifikation und freuen uns auf Ihre Beobachtungsberichte.

Moderator: aba

Neuseeländisches Himmelsphänomen: Meteorit oder Reentry-Teil

Beitragvon Werner Walter » 14.09.2006 14:51

Am 12.9.06 ging nur sehr beschr√§nkt (nach Google-News griffen gerade einmal neun Medien die Geschichte auf) in Old Germany verbreitet die Meldung um: "Meteor erschreckt Neuseel√§nder! Mit einem lauten Knall ist sonach ein Meteor an jenem Dienstag in der Atmosph√§re eingedrungen und in einem gering besiedelten Gebiet in Neuseeland niedergegangen. Wie Bewohner der Stadt Christchurch sagten, wurden ihre H√§user und auch der Boden ersch√ľttert. Andere Augenzeugen sahen einen hellen Lichtstrahlt. 'Er war sehr gro√ü und hell, schoss √ľber den Himmel und erlosch', sagte Matthew Miller, der sich 70 Kilometer s√ľdlich von Christchurch aufhielt. 'Dann h√∂rten wir etwa eine Minute sp√§ter den Knall.' Der Leiter des Observatoriums auf dem Mount John, Allan Gilmore, sagte im Rundfunk, der Meteor habe beim Durchbrechen der Schallmauer wahrscheinlich die Gr√∂√üe eines Basketballs gehabt." Unsere Meldung fand Reiner Wisser im Boulevardbereich {sic} von N24 abgelegt. Die 'Zeit'/'Der Tagesspiegel'-Online konnte dazu ein paar mehr Details unter der Schlagzeile "Neuseeland: Meteor verbreitet Angst und Schrecken" einbringen: >Das laute Dr√∂hnen der himmlischen Leuchterscheinung brachte nach Berichten von Zeugen Geb√§ude zum Wackeln; Fensterscheiben zerbarsten. Viele Menschen verlie√üen aus Angst ihre Arbeitspl√§tze und H√§user... Matthew Miller sah einen Feuerball durch die Luft rauschen, als er in Ashburton s√ľdlich von Christchurch arbeitete. "Da schoss so ein ganz heller Komet durch die Luft", sagte er im staatlichen Radio. Er habe den Meteor eine Sekunde lang gesehen....< Doch pl√∂tzlich war dies alles nicht mehr 'wahr', am 14.9.06 berichtete n√§mlich die 'Frankfurter Rundschau' in einem Beitrag von Boris B.Behrsing: "Schrott aus dem All: Der Meteor, der aus der Raumfahrt kam!" Nanu, das kennen wir doch schon als altes Begleitmusik-Spiel auch etlicher UFO-Sichtungen, wenn es herauszufinden galt ob im Einzelfall ein Meteor oder ein Reentry verantwortlich f√ľr das jeweilige Schauspiel war. Doch lesen wir mal bei der 'FR' rein:

>Pilot Neville van Eerten durchlitt den Schrecken seines Lebens. In einem Cessna-Trainingsflugzeug war er √ľber Rangiora auf der neuseel√§ndischen S√ľdinsel unterwegs - und dann das: "Vor meinem Cockpit-Fenster erschien pl√∂tzlich ein riesiger Feuerball, etwa 1000 Meter h√∂her als meine Maschine flog. Das Objekt zerplatzte in zwei gro√üe und einige kleinere St√ľcke." So beschrieb der Pilot ein auf die Erde fallendes Weltraum-Objekt, vermutlich einen Meteoriten, wie es kurz nach dem Vorfall hie√ü. Tausende Neuseel√§nder suchten am Mittwoch in der Landschaft nach den Fragmenten des vermeintlichen Weltraumobjekts. Den ersten Fund gab es auf einer Farm in Dunsandel s√ľdlich der Stadt Canterbury. Das ungew√∂hnlich leichte Material wird von den Wissenschaftlern des National Radiation Laboratory untersucht. Die Befunde, die bisher vorliegen, deuten allerdings nach Angaben der Labor-Wissenschaftler nicht auf Meteor-Fragmente hin. Laut Polizeisprecher Paul Visser besteht der etwa handgro√üe Gegenstand aus einem "uns unbekannten Stoff". Das klingt herrlich geheimnisvoll, hat aber dennoch nicht das Zeug f√ľr einen Science-Fiction-Krimi. Dem neuseel√§ndischen Fernsehen erkl√§rte die Polizei, sie glaube, bei dem vermeintlichen Meteoriten handle es sich vielmehr um Weltraumm√ľll - Teile eines alten Raumfahrzeugs oder Satelliten, die m√∂glicherweise radioaktiv seien. Das Ereignis hat viele Neuseel√§nder erschreckt. Sie sind daran gew√∂hnt, mit ihren h√§ufigen Erdbeben zu leben. Aber der Eintritt des Objekts in die Erdatmosph√§re erzeugte einen √úberschallknall, der in vielen Teilen der neuseel√§ndischen S√ľdinsel die H√§user ersch√ľtterte und die seismischen Messger√§te der Polizeiwachen wie verr√ľckt ausschlagen lie√ü. "Ich dachte wegen des f√ľnften Jahrestages der Terrorangriffe in New York und Washington, das sei ein Terrorakt gegen uns", √§u√üerte der Automechaniker Kevin Graham, der gerade in seiner Werkstatt in Rollestone arbeitete, 22 Kilometer s√ľdwestlich von Christchurch. "Ich bin ins Freie gelaufen - ich dachte, das Geb√§ude w√ľrde zusammenbrechen", beschrieb er seine erste Reaktion. So gro√ü wie ein Basketball! Nach Berechnungen des Superintendenten des Observatoriums auf Mount John, Alan Gilmore, muss das Ding - ob Meteor oder Weltraumobjekt - die Gr√∂√üe eines Basketballs gehabt haben und mit einer Geschwindigkeit bis zu 20 Kilometern pro Sekunde in die Erdatmosph√§re eingetreten sein. "Bei einer solchen Aufschlagswucht l√∂sen sich Meteore h√§ufig in einer gro√üen Rauchwolke auf, bevor sie den Erdboden erreichen", sagte Gilmore. Die Jagd auf weitere Fragmente aus dem All geht indes weiter. "Es ist wie die Suche nach einer Stecknadel im Heuschober", sagte der Observatoriums-Chef.<

Nachdem ich mich nun via Google-News Australia dem Thema angenommen hatte, stellte ich zun√§chst fest, dass die Meldung in Australien/Neuseeland quasi von allen Meldien abgedeckt wurde und inzwischen auch andere L√§nder erfasst hatte. Es gab tats√§chlich auch ein Bild von dem "kosmischen Findling", welcher so ganz und gar nicht an einen k√ľnstlichen K√∂rper erinnerte, sondern einfach an einen Meteoriten, was ja auch die Beobachtungsschilderungen hergaben. Zur Erinnerung: Weltraumschutt hat bei seinem Atmosph√§ren-Eintritt eine sehr flache Bahn, weil das entsprechende Objekt ja aus der Orbitalbahn von West nach Ost herausf√§llt. Seine Geschwindigkeit liegt da bei maximal keine 30.000 km/h. Bis jenes Objekt dann in seinem Eintrittskorridor dann zu Erden kommt, kann dies bis zu 3 Minuten lang eine entsprechende Leuchterscheinung mit sich bringen. Astronomische Objekte aus dem Kosmos dagegen rasten mit der 10fachen Geschwindigkeit (aus allen denkbaren Richtungen kommend) auf uns herab, wodurch sich die Durchg√§nge solcher Meteore nur im Rahmen von wenigen Sekunden bewegen, wenn sie schlie√ülich als Meteorite irdischen Boden erreichen. So kann man grunds√§tzlich allein schon aus der sichtbaren Beobachtung und ihrer Dauer klar unterscheiden, was nun was war! Reentry-Erscheinungen sind zudem meines Wisens nach bisher immer auch ohne 'himmlischen Donnerschlag' ausgekommen, bei Gro√ümeteoren dagegen sind sie Standard.

Gruss

WW :roll:
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Kosmischer Findling von Neuseeland...
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Beitragvon berndb » 15.09.2006 00:34

Habe mal 2 Artilel dazu aus dem lokalen Wurstblatt gescannt. Der in Dunsandel gefundene Klumpen ist demnach mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit kein Meteorit. Auch konnte keine Radioaktivit√§t nachgewiesen werden. Interessant und etwas verwunderlich ist, dass Otago University - Physikdozent Craig Rodger den Donnerschlag auf die Explosion des Objekts zur√ľckf√ľhrt (und nicht etwa auf das Durchbrechen der Schallmauer).

Gruß aus NZ

berndb
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Artikel 14.9.
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Artikel 13.9.
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News zum neuseeländischen Durcheinander

Beitragvon Werner Walter » 15.09.2006 23:08

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Neuseeländischer Knall-Feuerball
Es ist ein UFO
VON BORIS BEHRSING

Also doch kein schn√∂der Weltraumschrott - der Feuerball, der am Dienstag √ľber den Himmel der neuseel√§ndischen S√ľdinsel schoss und mit √úberschallknall auf die Erde niederging, ist sehr wahrscheinlich das Fragment eines Meteors. Zu dem Ergebnis kamen am Donnerstag die Wissenschaftler vom National Radiation Laboratory in Christchurch. Zudem gab Labor-Manager Jim Turnbull Entwarnung: "Unsere Untersuchungen haben ergeben, dass das Fragment nicht radioaktiv und somit ungef√§hrlich ist", sagte Turnbull den neuseel√§ndischen Nachrichtenagenturen.

Urspr√ľnglich hatten die Fachleute vermutet, dass das r√§tselhafte Flugobjekt von einem alten Raumfahrzeug stammen k√∂nnte. "Ich habe noch nie einen Gegenstand aus dem Weltall gesehen", gestand Turnbull. Aber der etwa zehn Zentimeter lange und f√ľnf Zentimeter breite Gegenstand, der auf einer Farm rund 40 Kilometer s√ľdlich von Christchurch gefunden wurde, sehe wie ein St√ľck Felsgestein aus, das nach dem Eintritt in die Erdatmosph√§re durch die dabei entstehende "Superhitze" glasiert wurde, so Turnbull. Urspr√ľnglich soll es einmal ungef√§hr so gro√ü wie ein Basketball gewesen sein.

Was den Wissenschaftlern noch Kopfzerbrechen macht, ist die geringe Dichte des Materials - es sei weitaus leichter als Felsgestein mit Metallanteil, erklärte Turnbull. Das Rätsel sollen nun die Geologen an der Universität Canterbury durch ihre Analysen lösen.

Nach dem amtlichen bisherigen Untersuchungsergebnis handelt es sich um "ein UFO, ein unbekanntes Flugobjekt, das nicht radioaktiv ist", fasste der Labor-Manager zusammen. Die meisten Bewohner der S√ľdinsel, die der Feuerball mit seinem Knall erschreckte, nennen es trotzdem schlicht Meteor. Eines d√ľrfte jedenfalls klar sein: Der Kiwi, Neuseelands Haus- und Hofvogel, war es schon mal nicht. Die Gr√∂√üe kommt zwar in etwa hin - aber das Vieh kann leider nicht fliegen.

Gruss

WW :o
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27.01.2015 21:12 Uhr, Arnold Barmettler